Silikatfarbe oder Dispersionsfarbe – was ist der Unterschied?

Eine der häufigsten Fragen von Kunden lautet: „Welche Farbe nehmen wir denn jetzt?“ Die Antwort hängt vom Untergrund, vom Raum und vom Zweck ab. Zwei große Gruppen stehen sich dabei gegenüber: Silikatfarben und Dispersionsfarben. Beide haben ihre Stärken – und beide ihre typischen Einsatzgebiete.
Reine Silikatfarbe – der Klassiker im Denkmalschutz
Reine Silikatfarben bestehen aus zwei Komponenten: einem Fixativ (dem Bindemittel aus Kaliwasserglas) und anorganischen Pulverpigmenten. Sie kommen heute vor allem im Denkmalschutz zum Einsatz. Ihr pH-Wert liegt bei 12 bis 14 – das ist stark alkalisch und wirkt dadurch desinfizierend an der Oberfläche.
Auf neuen Putzen geht das Bindemittel eine sogenannte Verkieselung mit dem Untergrund ein – die Farbe verbindet sich also chemisch mit dem Putz. Das macht den Anstrich sehr haltbar. Allerdings hat sie auch ihre Tücken:
- Die Verarbeitung ist anspruchsvoller
- Es kann nur so viel Material angemacht werden, wie an einem Tag verarbeitet werden kann
Dispersionssilikatfarbe – die moderne Variante
Hier kommt die Dispersionssilikatfarbe ins Spiel – die zeitgemäße Weiterentwicklung. Sie enthält einen Dispersionsanteil von bis zu 5 % im Silikat-Bindemittel. Das macht sie deutlich leichter zu verarbeiten als reine Silikatfarbe, ohne dass sie ihre mineralischen Eigenschaften verliert: hohe Alkalität von ca. 12–13 pH und eine gute Aufnahme von Wasserdampf.
Ihre Vorteile auf einen Blick:
- Leichter zu verarbeiten als Reinsilikatfarben
- Durch die Alkalität pilztötende Eigenschaften
- Kristalline Oberflächenerscheinung
Genau wegen dieses hohen pH-Werts ist sie besonders für Schimmelsanierungen geeignet. Bei Bedarf setzen wir zusätzlich einen Kondenswassertrockner ein – besonders in Kellern oder nach einem Wasserschaden hilfreich, übrigens auch zum Wäschetrocknen.
Dispersionsfarbe – der Allrounder
Dispersionsfarben haben das breiteste Einsatzspektrum. Sie sind einfach zu verarbeiten, oft günstiger und bieten eine enorme Farbvielfalt – denn bei den Pigmenten ist man nicht eingeschränkt. Sowohl organische als auch Oxidpigmente lassen sich verwenden. Wer also einen ganz bestimmten Farbton möchte, ist mit einer Dispersionsfarbe meistens am besten beraten.
Wichtig zu wissen: Für Schimmelsanierungen muss das Bindemittel fungizid eingestellt sein – also mit Wirkstoffen gegen Pilzbefall versetzt. Das ist nicht automatisch bei jeder Dispersionsfarbe der Fall.
Was passt zu Ihrem Projekt?
Welche Farbe die richtige ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Es kommt auf den Untergrund an, auf das Raumklima, auf den gewünschten Farbton und natürlich auf das Budget. Eine ehrliche Beratung vor Ort ist deshalb immer der beste Startpunkt.




